Die frühere Fassung des 2026 veröffentlichten Romans Die Kinderwunsch-Variationen mit dem Protgonisten Stoyke, die ich unter dem Arbeitstitel Staffellauf im Sommer 2021 beendet und im September 2022 im Rahmen eines Arbeitsstipendiums im Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop überarbeitet habe, enthält drei Kapitel, die ich für die Veröffentlichung aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes herausgenommen, bzw. umgeschrieben habe.
Da die ursprüngliche Fassung Stärken hat, die in Die Kinderwunsch-Variationen verloren gegangen sind, wäre zu überlegen, Staffellauf als eine Art „Ur-Stoyke“ nach dem Tod der betroffenen Personen und ihrer Kinder – ich denke dabei an die im Urheberrecht festgelegten 70 Jahre – durch die Betreuerin oder den Betreuer meines Nachlasses herauszugeben.
Auf meiner Autoren-Website wolfgang-cziesla.de steht zu Staffellauf:
Staffellauf (2021)
Als Stoyke im Alter von fast sechzig Jahren die Augen öffnet, stellt er fest, dass er keine Kinder hat. Sie fehlen ihm zwar nicht, aber ihm wird bewusst, er hat es vierzig Jahre lang versäumt, ein Kind zu zeugen. Er lebt auch mit keiner Frau zusammen und kann sich nicht erinnern, jemals eine Frau kennengelernt zu haben, mit der er gern Kinder gehabt hätte. Oder falls doch, dann sie nicht mit ihm. Hätte man ihn aber vor vierzig und auch noch vor dreißig oder zwanzig Jahren gefragt, ob er sich ein Leben mit Frau und Kindern vorstellen kann, er hätte die Frage entschieden bejaht. Zwei Kinder, vielleicht auch drei. Warum ist es nicht so gekommen? Liegt es an der Musik, die er komponiert? Oder daran, dass er überhaupt komponiert und sein Komponieren zu ernst nimmt? Oder liegt es an seinem Konzept von „Entelechie“, an „fernöstlicher“ Lebensweisheit oder schlicht an seiner Faulheit?
Wir erleben Stoyke beim Komponieren, beim Sprechen über Musik in seinen Seminaren, beim Zeichnen und Ausstellen von Partituren, bei der Betrachtung von Bäumen, beim Besuch einer abgeschieden lebenden Komponisten-Kollegin, die er „die Gesegnete“ nennt, in Arbeitssituationen mit seinem spöttischen Chef, dem Prodekan der Musikhochschule, auch in – teils absurden – Diskussionen mit den Frauen aus seiner Vergangenheit, mit denen er sich damals gemeinsame Kinder hatte vorstellen können, vor allem aber in der Anrufung der ungezeugten Kinder, die ihn in zunehmendem Maße auch ungerufen heimzusuchen beginnen und ihn zur Rechenschaft ziehen.
Ein Buch über die Frage nach Lebensformen, die Wichtigkeit oder Unwichtigkeit von Fortpflanzung, über Vergänglichkeit und den Wunsch nach Beständigkeit und über die Entstehung von Kunst, in diesem Fall besonders von Musik und ihre Visualisierung in Form schön gezeichneter Partituren.
