255 – Der Rüttenscheider Schüttelreimer

Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ – 255. Teilabriss

Der Rüttenscheider Schüttelreimer

[i. e. Wolfgang Cziesla]

 

Shaken, not stirred

Ich sitz‘ im Wirtshaus „Kleiner Markt“.
Die Mägen füll’n sich – meiner klagt.

„Herr Ober, einmal Schnutenpitzel!“
Er sieht mich an: „Gut, Putenschnitzel.“

„Dann nehme ich die Puschelmizza.“
„Gut, für die Dame Muschelpizza.“

Die Tochter möchte Chicken Dip,
der Kellner bringt ‘nen dicken Chip.

Das Leibgericht des langen Schlacks
ist Grießpudding auf Schlangenlachs.

Doch wahrlich, dieses Warzenschwein
wählt einen wirklich schwarzen Wein.

„Den Fisch“, sagt der sonst Scheue ruppig,
„nenne ich ohne Reue schuppig.“

„Was! Uns’re 4-Stern-Wegeflunder
genoss Niveas Pflegewunder.“

Doch zunächst füllt in meh’ren Lagen
Lasagne meinen leeren Magen.

Auf keiner Ost-Berliner Wand,
nein, mittendrin im Wiener Land,

der stille Ort verspricht Geruch,
doch steht dort auch der richt’ge Spruch:

„Sofern ihr nicht an Maden leidet,
seht zu, dass ihr den Laden meidet“.

Zwischen Köchen, die ihre Pizzen toasten,
will ich meine Notizen posten.

Die meisten Dichter sind haltlose Wesen,
das merkste am deutlichsten halt, wo se lesen.

 

 

Kurzkrimi aus dem Rotlichtmilieu

(Nichtraucher-Gedicht)

Flanier‘ ich nachts durch meine Kieze,
finde ich meistens keine Mieze,

die sonst in düst‘ren Seitenstraßen
selbst noch beim wüsten Streiten saßen

und ließen sich begatten meist
von Männern mit ‘nem matten Geist.

Ich quäle mich hoch auf schlauchenden Rampen,
beidseitig flankiert von rauchenden Schlampen.

Ich hör‘ sie auf der Matte lachen:
„Was Schönes mit der Latte machen?“

Die sich auf Phallus-Bäume trauen
und nicht auf ihre Träume bauen,

Girls, die jedes Laster pflegen,
lassen sich aufs Pflaster legen.

Auch Dominas und Kettennutten
freu’n Gothic-Fans in netten Kutten.

Reife Frau’n mit Riesendingern
nehmen’s auf mit diesen Ringern.

Das Gros ihrer loyalen Riege,
lag schon auf der royalen Liege.

Wovor es selbst den Hünen graut,
sind Frauen mit ‘ner grünen Haut.

Ich schau mit meiner Denkerstirn
auf eine andre Stänker-Dirn.

Sie zupft als Alter-Hasen-Narr,
dem Rentner gern am Nasenhaar,

der bald mit seiner Schönen weint,
weil sie ihn zu verwöhnen scheint

mit Keksen – was ihn heiter wundert –,
doch er zahlt immer weiter Hundert.

Schon von Natur aus klein gebaut,
hat das Rauchen ihm ein Bein geklaut.

Die rothaarige Henna-Maus
erfreut ein ganzes Männerhaus.

Sie spielt in diesem Fummel Schach?
Die ist doch mehr vom Schummelfach,

die Süße mit der Henna-Matte,
die schon genügend Männer hatte, –

wir konnten sie beim Schummeln fassen
und ohne lang zu Fummeln schassen.

Bei ihrem äußerst regen Gatten
half nur ein Mittel gegen Ratten.

Wenn sie über den Gatten rollt,
betäubt sie ihn mit Rattengold,

bis sie ihn erst zur Stunde weckt,
da das Messer in der Wunde steckt.

Ihr sitzt die Kripo heut im Nacken,
so übt sie sich erneut im Hacken

mit Hucky von der Hacker-Meute.
Doch wo bleibt bloß ihr Macker heute?

Von Süden naht der weise Retter.
Sie flieht bei bestem Reisewetter

und vergisst die Soko-Chose
bei einem Eis mit Schoko-Soße.

Doch selbst im schönsten Palmenhain
leidet sie zwischen Halmen Pein.

Nun, da sie ohne Gatten reist,
erscheint ihr nachts ein Rattengeist.

 

Der Rüttenscheider Schüttelreimer – Diverses

Aus der Serie: Tiere in Menschenberufen

Zuweilen bedient uns in Banken der Schwan
und hebt sich davon in schwankender Bahn.

 

Der Zechpreller

Er wollte mal für lau saufen,
doch dann sah man die Sau laufen.

 

Die Skispringer

Wird ihnen auf den Schanzen flau,
besuchen sie die Pflanzenschau.

 

Der Pubertierende

Am Kinn wachsen ihm bald Haare,
ach!, seien ’s diesmal haltbare.

 

Aus der Serie: Sorgen des Alltags

McGuiness muss die Schottenmützen
vor allem gegen Motten schützen.

 

To be continued until death