{"id":666,"date":"2014-09-28T15:10:15","date_gmt":"2014-09-28T13:10:15","guid":{"rendered":"http:\/\/newsic.net\/firwitz\/?p=666"},"modified":"2014-09-28T15:10:15","modified_gmt":"2014-09-28T13:10:15","slug":"013-literatur-und-beamtentum-biographische-notiz-2-seiten-geschrieben-am-02-03-2006","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/?p=666","title":{"rendered":"013 &#8211; Literatur und Beamtentum, biographische Notiz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ &#8211; 13. Teilabriss<\/p>\n<h1>LITERATUR UND BEAMTENTUM<\/h1>\n<p>Bei der \u00dcberarbeitung meines Afrikaromans von 1980<\/p>\n<p>Der Text ist als Text insgesamt verdorben. Nicht das, was erz\u00e4hlt wird \u2013 das w\u00e4re zu retten. Aber die S\u00e4tze. Jeder einzelne Satz. Da wird nichts erz\u00e4hlt, nichts erlebt. Es ist alles im gleichen Berichtton. Der entsprach meiner damaligen Grundhaltung zum Leben, einer Grundhaltung, der ich weitgehend noch immer anh\u00e4nge.<\/p>\n<p>Die pr\u00e4genden Jahre zwischen f\u00fcnfzehn und zwanzig arbeitete ich bei der Stadtverwaltung. Das Leben galt es zu verwalten. Solange es zwischen zwei Akten- oder Buchdeckel passte, war es in Ordnung. Das verwaltete Wissen, verwaltete Leben, die Bibliothek als Friedhof der Geschichten, muss ja kein unliterarisches Motiv sein. Es schlie\u00dft Phan\u00ad\u00adtas\u00ad\u00adtik \u2013 man denke an Borges oder Kafka \u2013 nicht aus.<\/p>\n<p>Wie kommt ein F\u00fcnfzehnj\u00e4hriger, der sich nicht als konservativ bezeichnet h\u00e4tte \u2013 zumindest nicht als wertekonservativ \u2013 dazu, sich nicht prim\u00e4r f\u00fcrs Leben, sondern f\u00fcr dessen Verwaltung zu entscheiden? Der gutgemeint, auf Sicherheit bedachte Rat der Eltern war nicht bestimmend. Er traf auf eine Einstellung bei mir, die, wenn auch unter gegens\u00e4tzlichen Voraussetzungen, zum gleichen Ergebnis f\u00fchrte. Klar war, dass ich nicht dem Kapitalismus dienen wollte. Geld der Gesellschaft f\u00fcr die Allgemeinheit auszugeben, lag im Zeitgeist. Der Bund der Steuerzahler hatte nichts zu melden. M\u00f6glichst viel Staatsknete sinnvoll an die Sozialschwachen zu verteilen, hatte den Effekt, graduell auf den Sozialismus hinzuarbeiten und das System \u2013 Wirtschaft und Staat gleicherma\u00dfen \u2013 durch Verausgabung zu schw\u00e4chen. Hinzu kam das Schlagwort der gro\u00dfen Verweigerung. Beamte galten als faul (gelten sie immer noch, aber die Bewertung hat sich ge\u00e4ndert). Man war innerhalb der Versorgungsgesellschaft ein Aussteiger aus der Leistungsgesellschaft. Aber das war l\u00e4ngst nicht alles.<\/p>\n<p>Ich dachte damals bereits als K\u00fcnstler, auch wenn die Werke noch weit davon entfernt waren, das mir selbst gegebene Versprechen einzul\u00f6sen (\u2013 sind sie immer noch). Die Literatur bewegte sich 1970 (als ich bei der Stadtverwaltung begann) im Kielwasser des Existenzialismus. Der war ebenfalls pr\u00e4gend f\u00fcrs Leben. Mir war damals bereits deutlich, dass es die Archive sind \u2013 die Sinnbilder des Abgestorbenseins \u2013, in denen allein das \u00dcberleben m\u00f6glich sein w\u00fcrde. So denke ich noch immer und schreibe nicht f\u00fcr den Markt und nicht f\u00fcr die eitle Kritikerkaste und nicht f\u00fcrs Publikum. Meinen Lebenszweck finde ich im eigenen Lexikonartikel, in den Bibliotheken, im Eingang meines Nachlasses ins Literaturarchiv und in der Transformation des Fleisches, der Erlebnisse, der Gedanken in beschriebenes, beschriftetes Papier oder auch im Speicher der Festplatten der Welt.<\/p>\n<p>Aber: Die Aufnahme in die Bibliotheken ist wahrscheinlicher, wenn ich mein Leben und das meiner N\u00e4chsten nicht berichtend verwalte, sonder lebendig erz\u00e4hle. Darum ist die \u00dcberarbeitung n\u00f6tig, und das soll den Afrikaroman von 2007 von dem aus dem Jahr 1980 unterscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">(Essen, 02.03.2006)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ &#8211; 13. Teilabriss LITERATUR UND BEAMTENTUM Bei der \u00dcberarbeitung meines Afrikaromans von 1980 Der Text ist als Text insgesamt verdorben. Nicht das, was erz\u00e4hlt wird \u2013 das w\u00e4re zu retten. Aber die S\u00e4tze. Jeder einzelne Satz. 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