{"id":622,"date":"2014-09-27T16:51:51","date_gmt":"2014-09-27T14:51:51","guid":{"rendered":"http:\/\/newsic.net\/firwitz\/?p=622"},"modified":"2014-09-27T16:51:51","modified_gmt":"2014-09-27T14:51:51","slug":"030-30-jahre-firwitz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/?p=622","title":{"rendered":"030 &#8211; 30 Jahre Firwitz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ &#8211; 30. Teilabriss<\/p>\n<p><strong>30 Jahre Firwitz <\/strong><\/p>\n<p>Zu der Zeit hatte ich mich fast aufgegeben. Meine Mutter lebte noch, und ich war \u00fcberzeugt, dass ich mein Leben auf Eis legen sollte. Parkinson-Patienten k\u00f6nnen alt werden. Es kam nicht mehr darauf an, wenn ich einen Job annahm, der mein Scheitern besiegelte. Jedesmal, wenn mir jemand zu meiner Festanstellung gratulierte, gab mir das einen Stich. Verraten f\u00fcr die Rente. Mich einfrieren und erst mit 65 wieder auftauen. Dann war meine Mutter vielleicht tot. Dreizehn Jahre, meine G\u00fcte. Dreizehn Lebensjahre ohne eigenes Leben. Wie viele Menschen mochten sich so f\u00fchlen? Oder schlimmer.<\/p>\n<p>Sooft ich mich umsah auf meinem neuen Posten, war ich einer der Lebendigsten. Manche Frauen in der Verwaltung schienen mit m\u00f6glichst viel Fehlzeiten nur ausharren zu wollen.<\/p>\n<p>Vor zweiunddrei\u00dfig Jahren war ich an einem \u00e4hnlichen Punkt wie heute. Damals habe ich den Absprung geschafft. Noch viele Spr\u00fcnge, weite Spr\u00fcnge gelangen mir, solange Mutter sich an meinen Vater halten konnte.<\/p>\n<p>Nie hatte ich solche Gewissheit, mich verkauft zu haben. Aber etwas an mir war einmalig. Weiterhin. Unverwechselbar. Und ich unterbrach meine Perry-Rhodan-Lekt\u00fcre, die ich als Zw\u00f6lfj\u00e4hriger begonnen hatte, im Zug aus D\u00fcsseldorf, um \u00fcber den schwach gl\u00fchenden Funken zu schreiben, der sich erneut in helles Feuer wandeln konnte, ohne zu denken, aber vielleicht zu ahnen, dass es auf den Tag genau vor drei\u00dfig Jahren war, in der Nacht vom 1. zum 2. Dezember 1977, als ich in T\u00fcbingen in meinen Taschenkalender notierte: \u201enachts den Firwitz konstruiert\u201c.<\/p>\n<p>Meine zur Legendenbildung neigende Erinnerung hatte die Geburtsstunde auf den 30. Oktober 1982 nach Langenberg im Rheinland verlegt. Dar\u00fcber hei\u00dft es in meinem blauen Kalender: \u201eDie besondere Nacht. Fulminate hergestellt.\u201c<\/p>\n<p>Auf der Suche nach jenen Fulminaten in meinem Haushalt entdecke ich in der quadratischen Firwitzh\u00fclle die Notiz: \u201eDie Nervenbahnen in meinem K\u00f6rper \/ wurden zu einer Kralle \/ und diese Kralle zog sich zusammen \/ zu dem Wort \u201eFirwitz\u201c \/ Ich erlebte, wie eine Stimme in meinem Kopf eine Zwangsneurose einpflanzte, \/ die ich fortan zu sein und zu leben hatte. \/ Ich musste in der Welt den Firwitz zum Ausdruck bringen, \/ das Wissen der Welt ergr\u00fcndend.\u201c Au, Mann!<\/p>\n<p>Die Kralle im Kopf bzw. im Nacken begegnet mir bei Perry Rhodan wieder, die \u201eKralle des Laboraten\u201c. Wer war schneller? Ich biete den 1. Dezember 1977, aber Rhodan ist Zeitreisender.<\/p>\n<p>Im Standard-Universum gilt: Drei\u00dfig Jahre sind nicht zweiunddrei\u00dfig. Ein neuer Absprung in sechzehn, um der lieben Zahlenmystik willen?<\/p>\n<p>[Geschrieben am Sonntag, den 2. Dezember 2007, nach einer Nacht, die mich zur Besinnung auf den Firwitz \u2013 das Werk \u2013 brachte]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ &#8211; 30. Teilabriss 30 Jahre Firwitz Zu der Zeit hatte ich mich fast aufgegeben. Meine Mutter lebte noch, und ich war \u00fcberzeugt, dass ich mein Leben auf Eis legen sollte. Parkinson-Patienten k\u00f6nnen alt werden. Es kam nicht mehr darauf an, wenn ich einen Job annahm, der mein Scheitern besiegelte. 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