{"id":575,"date":"2014-09-27T01:16:51","date_gmt":"2014-09-26T23:16:51","guid":{"rendered":"http:\/\/newsic.net\/firwitz\/?p=575"},"modified":"2026-06-04T14:02:57","modified_gmt":"2026-06-04T12:02:57","slug":"048-daemon-in-tagebuechern-aus-dem-notizbuch-nr-28","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/?p=575","title":{"rendered":"048 &#8211; D\u00e4mon in Tageb\u00fcchern (aus dem Notizbuch Nr. 28)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ &#8211; 48. Teilabriss<\/p>\n<h1>Aus dem Tagebuch Nr. 28:<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(S. 54)<\/p>\n<p>Die Probleme der Gr\u00fcnder anerkennen, d. h. sie minimal \u2013 maximal zu widerlegen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>1888<\/p>\n<p>[die folgenden 6 W\u00f6rter stehen auf dem Kopf:]<\/p>\n<p>Ich kenne diese Talfahrt! Der Tod.<\/p>\n<p>(S. 55ff.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Auray, 20.8.80<\/p>\n<p>Zur letzten Nacht:<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst zur vorletzten: Traumeinsagung, die mir bedeutend vorkam, am n\u00e4chsten Morgen vergessen.<\/p>\n<p>In der letzten Nacht, Versuch der Rekonstruktion.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[Ein Pfeil f\u00fchrt von hier auf die Seite 54: \u201eDie Probleme &#8230; widerlegen.]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dabei nicht v\u00f6llige Sicherheit, ob es in der Nacht davor genau so lautete.<\/p>\n<p>Bei der Anstrengung, mich auf diesen getr\u00e4umten Satz zu konzentrieren, hatte ich st\u00e4ndig eine Einsagung aus dem letzten Sommer in Holland in Erinnerung: \u201eLehrt in das schlechte Briefpapier, verwandelt das gute\u201c [vgl. Heft Nr. 25]<\/p>\n<p>Au\u00dferdem tauchte die Jahreszahl 1888 auf. Hat der Herzog von Scheder etwas mit diesem Jahr zu tun? Oder Hart-Dieter K\u00f6nzel?<\/p>\n<p>Blicke gegen den klaren Sternhimmel, wie schon in der Nacht davor. Versuch, den Firwitz am Firmament zu entdecken.<\/p>\n<p>Eingeschlafen. Folgender Traum: Ich fahre in einem Bus, in dem au\u00dfer mir nur mein Vater sitzt, der Bus rollt schnell bergab, immer schneller. Eine Linkskurve. Am Stra\u00dfenrand vor mir eine Rastst\u00e4tte mit einer Leuchtreklame. Strahlenf\u00f6rmig gehen gelbe und blaue Leuchtfl\u00e4chen auseinander.<\/p>\n<p>[Hier ist im Tagebuch eine kleine Zeichnung eingef\u00fcgt]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da erkenne ich diese Situation wieder. Ich rufe aus: \u201eIch kenne diese Talfahrt! Der Tod.\u201c<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass am Ende dieser Talfahrt der Tod wartet und will die schneller werdende Fahrt abbrechen. Inzwischen sitze ich in einem BMW auf der hinteren Bank. Mein Vater noch neben mir. Auf den vorderen Sitzen sitzt niemand. Ich versuche mich mit den Sicherheitsgurten der Vordersitze festzuschnallen, obwohl ich noch immer hinten sitze. Nach einer weiteren Rechtskurve sind wir im Tal. Ich sehe einen verungl\u00fcckten Motorradfahrer mit Sturzhelm auf der Fahrbahn liegen.<\/p>\n<p>Ich bin wachgeworden. Ein gro\u00dfer Vogel sitzt in den B\u00e4umen am Campingplatz. Er st\u00f6\u00dft laute Rufe aus. Jeweils 2x hintereinander. Er schreit aus verschiedenen B\u00e4umen. Ich merke, dass viele Leute auf dem Campingplatz davon wachgeworden sind. Ich verstehe die schrillen Vogelrufe als Ermahnung, wieder in den Sternhimmel zu schauen. Sein Schreien dauert an. Der Klang der Vogelrufe ver\u00e4ndert sich und scheint mir anzuzeigen, wann ich die falschen Sterne ansehe. Ich habe das Gef\u00fchl, durch sein Rufen will der Vogel meinen Blick zum richtigen Stern lenken, indem er schrille Rufe ausst\u00f6\u00dft, die \u201efalsch\u201c zu bedeuten scheinen, und weniger schrille, best\u00e4tigende Rufe. Ich fixiere schlie\u00dflich einen Stern und pr\u00e4ge mir seine Lage ein:<\/p>\n<p>[Es folgt im Tagebuch eine Zeichnung mit einem Pfeil, der auf einen Punkt (Stern) zeigt, und ein Hinweis zur Himmelsrichtung]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus M\u00fcdigkeit beobachte ich den Stern nicht l\u00e4nger, denn ich denke, dass mir die Orientierung am Sternhimmel wieder gelingen wird.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Zeichnung auf S. 75, dazwischen die W\u00f6rter (Wortteile):<\/p>\n<p>FIR<\/p>\n<p>riss<\/p>\n<p>= der verlust<\/p>\n<p>der pers\u00f6nlichkeit<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>wo, zum Teufel, bleibt der WIT[Stift verrutscht (absichtlich)]<\/p>\n<p>(S. 76 ff.)<\/p>\n<p>Es wird ein Machtkampf zwischen mir und meinem D\u00e4mon.<\/p>\n<p>Er zieht mich aus meinem sozialen Leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Empf\u00e4ngnisbeg\u00fcnstigend sind:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vollmondn\u00e4chte<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Kaffee am Abend oder gr\u00fcner Tee<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Spazierg\u00e4nge alleine<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 das Meer<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 LSD<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 die Badewanne<\/p>\n<p>und kommt ein Wind auf, wird es angenehm auszukommen mit IHM.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich muss ihm Kraft entgegenbringen und mich nicht vollst\u00e4ndig rausrei\u00dfen lassen, sonst geht mir meine komische Pers\u00f6nlichkeit fl\u00f6ten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es besch\u00e4ftigt mich auf dieser Fahrt fast t\u00e4glich die Tatsache, dass ich das Buch schreiben soll mit dem Titel, dessen Bedeutung ich erst im W\u00f6rterbuch nachschlagen musste.<\/p>\n<p>Es ist doch merkw\u00fcrdig, wie ich mir M\u00f6glichkeiten gesellschaftlichen Zusammenlebens oder Bet\u00e4tigungsfelder scheinbar grundlos selbst verbaue.<\/p>\n<p>Will der Firwitz mich ganz?<\/p>\n<p>Dann ist es aus mit MIR.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich muss f\u00fcr diese meine verschiedenen Handlungsweisen andere W\u00f6rter finden als<\/p>\n<p>gesund \u2013 pathologisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Konstatiere Angst, Kontrolle \u00fcber \u201emich\u201c zu verlieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber mich einfach in Gesellschaft zu begeben, n\u00fctzt nichts. Da zieht es mich immer wieder heraus.<\/p>\n<p>Ich muss die empf\u00e4ngnisbeg\u00fcnstigenden Situationen bewusst dem Firwitz widmen, die anderen mir.<\/p>\n<p>So scheint es mir jetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[Zeichnung am linken Blattrand]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beachte, dass auch<\/p>\n<p>RISS<\/p>\n<p>zu derselben Eingebungseinheit geh\u00f6rte wie Titel und Name der Figuren!<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Moment meines Sterbens werde ich ganz Firwitz und suche mir einen offenen Kopf, um mich darin festzusetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><\/h1>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ &#8211; 48. Teilabriss Aus dem Tagebuch Nr. 28: &nbsp; (S. 54) Die Probleme der Gr\u00fcnder anerkennen, d. h. sie minimal \u2013 maximal zu widerlegen. &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;- 1888 [die folgenden 6 W\u00f6rter stehen auf dem Kopf:] Ich kenne diese Talfahrt! Der Tod. 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