{"id":240,"date":"2014-09-23T23:46:47","date_gmt":"2014-09-23T21:46:47","guid":{"rendered":"http:\/\/newsic.net\/firwitz\/?p=240"},"modified":"2019-05-01T17:18:38","modified_gmt":"2019-05-01T15:18:38","slug":"175-und-lasst-euch-keinen-erzaehlen-lauter-unglaubwuerdige-geschichten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/?p=240","title":{"rendered":"175 &#8211; \u201eUnd lasst euch keinen erz\u00e4hlen!\u201c \u2013 lauter unglaubw\u00fcrdige Geschichten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ, 175. Teilabriss<\/p>\n<p>[Unter diesem Sammeltitel habe ich mehrere unglaubw\u00fcrige Geschichten versammelt; eine davon, die folgende, versandte ich am 21. Dezember 2018 an 32 liebe Freundinnen und Freunde, gute Kolleginnen und Kollegen; W. Cz.]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/und-lasst-euch-keinen-erz\u00e4hlen1.pdf\">als PDF anzeigen<\/a><\/p>\n<p><strong>\u2026 UND LASST EUCH KEINEN ERZ\u00c4HLEN!<\/strong><\/p>\n<p>Ausreden, um etwas nicht zu schreiben<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betreff \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Re: Unsere Bekanntschaft in Leipzig<\/p>\n<p>Liebe Frau Eder-Elberfeld,<\/p>\n<p>selbstverst\u00e4ndlich erinnere ich mich an unsere \u2013 leider viel zu kurze \u2013 Begegnung auf der Party der Unabh\u00e4ngigen. Noch nie bin ich auf eine solch charmante Weise gebeten worden, in ein Werk \u201ezumindest mal reinzulesen\u201c; nie, glaube ich, hat jemand es als eine \u201eChance\u201c aufge\u00adfasst, von mir besprochen zu werden. Nat\u00fcrlich kann ich unm\u00f6glich nein sagen. Abgesehen davon, dass Sie mich bei meiner Eitelkeit erwischt haben, finde ich es verhei\u00dfungsvoll, was der Klappentext \u00fcber das Buch verr\u00e4t.<\/p>\n<p>Damit aber der Verlag keines der kostbaren Exemplare f\u00fcr nichts abgibt, muss ich Ihnen verraten: Ich bin ein extrem langsamer Leser und schaffe es oft nicht, Romane von mehr als 300 Seiten zu beenden, bevor bereits der n\u00e4chste Titel meine Neugier weckt. Vieles, was ich beginne \u2013 auch sehr Spannendes und Gutes \u2013 bleibt auf der Strecke. Da sind Ihre 978 Seiten f\u00fcr mich eine besondere Herausforderung.<\/p>\n<p>Zweitens, ich bin kein bekannter Kritiker; meine Ver\u00f6ffentlichungs\u00ad\u00adm\u00f6glichkeit bleibt meistens auf den Blog \u201eliteramagna.de\u201c beschr\u00e4nkt. Ob Lebende oder Tote ist nicht entscheidend, denn auch die Toten haben fast immer sehr lebendige Herausgeber, Verleger oder \u00dcbersetzer.<\/p>\n<p>Wenn Sie sich meine bisher ver\u00f6ffentlichten Rezensionen ansehen, stellen Sie fest, immer setze ich mich ausf\u00fchrlich mit den Werken auseinander. Kurzkritiken und Werbetexte liegen mir nicht. Was mir aber sehr entgegenkommt, ist Dreistigkeit. Wenn Sie nach dem oben Gesagten trotzdem glauben, ich sei der richtige Leser f\u00fcr Ihr Werk, scheuen Sie sich bitte nicht, mir \u00fcber den Verlag Ihr Buch an die Adresse in der Signatur dieser Mail senden zu lassen.<\/p>\n<p>Aus dem verregneten Ruhrgebiet gr\u00fc\u00dft Sie<br \/>\nAlfons Firn<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betreff\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Buch doppelt<\/p>\n<p>Liebe Franziska Eder-Elberfeld,<\/p>\n<p>vielen lieben Dank f\u00fcr <em>Lord Limenfirs Verm\u00e4chtnis<\/em>. Ich habe sogleich zu lesen begonnen; bin leider noch nicht weit gekommen, jedoch fest entschlossen, das Buch komplett zu lesen.<\/p>\n<p>Am Samstag landete zu meiner \u00dcberraschung ein zweites Exem\u00adplar in meinem Briefkasten, versandt von der Verlagsauslieferung. Was soll ich machen? Das zweite Exemplar an die Auslieferung zur\u00fccksenden? Oder an den Verlag? Oder an Sie? Oder weitergeben an eine befreundete Kollegin, die eine weitaus schnellere Leserin ist als ich und die ebenfalls gelegentlich Rezensionen schreibt? Bitte weisen Sie mich an, was in diesem Fall zu tun ist.<\/p>\n<p>Herzlichen Dank und allerbeste Gr\u00fc\u00dfe<\/p>\n<p>Alfons Firn<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betreff\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gorillas und Theater<\/p>\n<p>Liebe FEE (ich erlaube mir die Abk\u00fcrzung Ihres Namens, da Sie selbst unter Ihrer Mail dieses K\u00fcrzel benutzen),<\/p>\n<p>eine sch\u00f6ne, eine sinnvolle Aktion, das mit dem Gorilla. Zum Gl\u00fcckhaben Sie das Kost\u00fcm nicht getragen, als wir uns kennenlernten.<\/p>\n<p>Danke, dass ich das doppelte Exemplar weitergeben darf. Es wird nicht verschwendet sein.<\/p>\n<p>Obwohl ich mit dem <em>Limenfir<\/em> noch l\u00e4ngst nicht durch bin, interessiert mich bereits das noch unfertige Theaterst\u00fcck, das Sie erw\u00e4hnen. Weiter so!<\/p>\n<p>Voller Sympathie gr\u00fc\u00dft<br \/>\nAF<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betreff\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Re: Re: Gorillas und Theater<\/p>\n<p>Liebe FEE,<br \/>\nf\u00fcr Gorillas empfinde ich die gr\u00f6\u00dfte Bewunderung. Ich hatte bereits 1980 auf einer Afrikareise die Gelegenheit, den Seitenstamm unserer Menschheitsentwicklung im Bergland von Ruanda heimzusuchen, und halte Gorillas seitdem f\u00fcr gro\u00dfe Lehrmeister, was Ruhe und Gelassenheit betrifft. Daher f\u00fchle ich mich von Ihrer Nachfrage keineswegs \u00fcberfallen.<\/p>\n<p>Ich bin in der Lekt\u00fcre jedoch noch nicht weitergekommen. Ein unsch\u00f6nes Gespr\u00e4ch in meinem Brotberuf hat mich aus der Bahn geworfen. Ich wei\u00df nicht, ob ich in Leipzig erw\u00e4hnt hatte, was ich sonst so mache. Ich unterrichte junge Menschen, die es aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden verpasst haben, fr\u00fchzeitig zu einem Schulabschluss zu gelangen, und die nun, teils nach dem guten Rat eines Bew\u00e4hrungshelfers, teils, weil das Jobcenter Druck macht, das Vers\u00e4umte nachzuholen bestrebt sind. Meistens nicht wirklich bestrebt. Oder sie sind noch wichtigeren Aufgaben unterworfen, wie die Zweiundzwanzigj\u00e4hrige, die, wof\u00fcr sie meine Hochachtung verdient, mit sechzehn entschieden hatte, das Kind zu behalten und es auch ohne den Vater aufzuziehen.<\/p>\n<p>Anderen gegen\u00fcber empfinde ich weniger eindeutigen Respekt, wie den jungen M\u00e4nnern, die sich nach den ersten Unterrichtsstunden f\u00fcr meine literarische Wissensvermittlung mit einem freundlichen Angebot auf dem Gebiet ihrer Spezialfertigkeiten erkenntlich zeigen wollten: Und wenn Sie mal Ihren Autoschl\u00fcssel verlegt haben sollten, Herr Firn, sagen Sie es uns; wir kriegen jedes Auto auf.<\/p>\n<p>Und k\u00f6nnen es auch starten, f\u00fcgte sein Kumpel hinzu.<\/p>\n<p>Nette Jungs. Aber wenn ich mit ihnen <em>Der Vorleser<\/em> bespreche, sind sie \u00f6fter mal in Gedanken nicht bei der Sache. Oder bei einer anderen gro\u00dfen Sache; nicht nur in den Text einzusteigen, sondern bei dem Autor zu Hause. Da geht es um eine KZ-W\u00e4rterin, und pl\u00f6tzlich fragt mich einer: Kennen Sie Siegburg?<\/p>\n<p>Es klang nicht so, als ob er touristische Empfehlungen von mir h\u00f6ren wollte. Die ich ihm auch nicht h\u00e4tte geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer da durchgegangen ist, der hat seinen Schuss weg. Das ist schlimmer, als alles, was Sie in Ihren gew\u00f6hnlich gut informierten Nachrichtenmagazinen zu dem Thema lesen konnten.<\/p>\n<p>Jetzt wurde mir klar, wovon er sprach. Vor ein paar Monaten hatten die Medien von einem schweren Missbrauchsfall, Folter und N\u00f6tigung zum Suizid von H\u00e4ftlingen der JVA an einem Mith\u00e4ftling berichtet.<\/p>\n<p>Hast du das etwa miterlebt?<\/p>\n<p>Ne, da war ich zum Gl\u00fcck schon drau\u00dfen. Aber die Typen, die das gemacht haben, die kenne ich.<\/p>\n<p>Das sagte mir einer der besseren Sch\u00fcler. Was mir aber im Augenblick mehr zu schaffen macht, ist banaler und beinah schon lustig. Es fing harmlos an, und ich glaubte zun\u00e4chst, ganz gut damit umgehen zu k\u00f6nnen. Etwa zwei Monate ist es jetzt her, da ging mitten im Unterricht die T\u00fcr auf und Oliver schlurfte herein, die ersten 45 Minuten waren schon vorbei. Er setzte sich an seinen Platz und tat, als sei nichts gewesen. Ich unterhielt mich weiter mit den anderen Sch\u00fclern, und nachdem ich Oliver ein paar Minuten Zeit gelassen hatte, sich in das Thema hineinzufinden, nahm ich ihn dran mit einer Frage zum Text.<\/p>\n<p>Er sagte, Ich habe nicht aufgepasst. Mein Pferd ist mit einem Huf zwischen den Planken der Emscherbr\u00fccke steckengeblieben. Ich konnte es nicht mehr befreien und musste es erschie\u00dfen. Danach bin ich den ganzen Weg hierher mit den schweren Satteltaschen gelaufen.<\/p>\n<p>Und wo sind die Satteltaschen?<\/p>\n<p>Die habe ich unten an der Garderobe eingeschlossen.<\/p>\n<p>Ich nahm eine Sch\u00fclerin dran und unterrichtete weiter, vielleicht f\u00fcnf Minuten, bis Khaled emp\u00f6rt fragte: Das tragen Sie jetzt nicht ins Klassenbuch ein? Der kommt eine Stunde zu sp\u00e4t und l\u00fcgt Sie nach Strich und Faden an.<\/p>\n<p>Ich sagte, Das war keine L\u00fcge.<\/p>\n<p>Khaled stand der Mund offen. Wie, Sie glauben, was er Ihnen da vom Pferd erz\u00e4hlt?<\/p>\n<p>Nein. (Kunstpause) Aber eine L\u00fcge will t\u00e4uschen. Dazu ben\u00f6tigt sie gr\u00f6\u00dfere Glaubw\u00fcrdigkeit; die fehlt bei Oliver. Es ist schlicht und einfach Unsinn, was er von sich gibt, und Unsinn ist doch, wenn man sich umschaut, etwas Erfolgversprechendes.<\/p>\n<p>Dann k\u00f6nnen wir Ihnen ja allen Quatsch erz\u00e4hlen, sagte ein anderer.<\/p>\n<p>Nur zu! Die besten Storys werden pr\u00e4miert. Wie im Leben. Bitte nicht immer nur Die Stra\u00dfenbahn ist ausgefallen oder Der Bus war zu fr\u00fch abgefahren; ich kann solche Ausreden nicht mehr h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Ich bin kein ausgebildeter Lehrer, und wohl nur, weil das kein anderer machen wollte, fand man, meine Erfahrungen als Lektor und Korrekturleser d\u00fcrften ausreichen, um den jungen Menschen vern\u00fcnftiges Deutsch beizubringen. Meine Abneigung gegen P\u00e4dagogik, wenn ich an meine eigene Schulzeit denke, beschert mir bei den Sch\u00fclern zwar einerseits den Ruf, der coolste Lehrer an der Schule zu sein, andererseits f\u00fchrt mein Laissez-faire aber dazu, dass ich zum Beispiel vor Mathe-Arbeiten regelm\u00e4\u00dfig mit dem einzigen Streber allein im Klassenraum sitze.<\/p>\n<p>Einmal, nachdem wieder Gegenst\u00e4nde durch den Raum geflogen waren und ich den Inhalt meiner Aktentasche im M\u00fclleimer wiederfand, entschuldigte sich, als wir einen Moment allein waren, der Streber: Wenn er von den anderen nicht gedisst werden wolle, m\u00fcsse er da wohl oder \u00fcbel mitmachen.<\/p>\n<p>Klar. Aber sag mal, wo sind die denn jetzt schon wieder. Es steht doch heute und morgen keine Mathe-Arbeit an.<\/p>\n<p>Im Wettb\u00fcro.<\/p>\n<p>Ach? Und auf was wetten sie da?<\/p>\n<p>Auf alles, Fu\u00dfball, Pferde, Formel 1&#8230;<\/p>\n<p>Vielleicht kann ich die Jungs ja noch ans Lesen kriegen, wenn ich ihnen verrate, dass jedes Jahr hohe Wetten abgeschlossen werden, wer den Nobelpreis f\u00fcr Literatur erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Der Streber l\u00e4chelte m\u00fcde.<\/p>\n<p>Manchmal kontrollieren sich die jungen Leute aber auch gegenseitig. O-Ton: Mensch, verschwindet doch nicht alle gleichzeitig. Wenn die Direx reinkommt, ist Herr Firn der Gefickte.<\/p>\n<p>Darauf ein anderer: Die Direx habe ich eben noch in einem Laden auf der Kettwiger Stra\u00dfe gesehen. Dessous kaufen.<\/p>\n<p>Ich musste lachen. Es liegt mir fern, mich \u00fcber Dessous kaufende Frauen lustig zu machen, aber die respektlose Bemerkung \u00fcber die Chefin war treffend. Eine Frau zwischen f\u00fcnfundvierzig und f\u00fcnfzig, die meistens zu Cowboy-Stiefeln knielange Kleider oder R\u00f6cke trug und im Dekolletee oder unten gern ein St\u00fcck Spitzen-Unterw\u00e4sche hervorschauen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>So auch gestern. Als sie in ihrem B\u00fcrosessel die Beine \u00fcbereinanderschlug und mich auf ihren gl\u00e4nzenden Unterrock \u00fcber der vermutlich mauvefarbenen Feinstrumpfhose blicken lie\u00df, dazu hellgr\u00fcne Stiefel aus Krokodilleder-Imitat (nehme ich an), fiel mir Wahibs spitze Bemerkung zum Dessous-Kauf ein. Als sie mich streng aufforderte, mit den Abwesenheitseintr\u00e4gen sorgf\u00e4ltiger umzugehen, gelang es mir kaum, ernst zu bleiben. Obwohl nat\u00fcrlich zwischen einem Unterrock und dem F\u00fchren des Klassenbuchs kein Zusammenhang besteht. Vielleicht war es ein Reflex aus der eigenen Schulzeit, wenn ich instinktiv f\u00fcr die Sch\u00fcler Partei ergreife, gegen die Schule. Kurz gesagt, die Unterhaltung mit der Chefin hat mich verunsichert, ob ich den Job \u00fcberhaupt weiter machen will.<\/p>\n<p>Warum, liebe FEE, mache ich so viele Worte? Nicht, um Sie f\u00fcr mich als Schulpsychologin zu missbrauchen. Nur in der Hoffnung, Sie sehen es mir nach, wenn ich mich nicht immer mit dem n\u00f6tigen Zeitaufwand Ihrem <em>Lord Limenfir<\/em> widmen kann. Ich m\u00f6chte Sie noch \u00fcberzeugen, dass ich ein Mensch f\u00fcrs Dauerhafte bin, stets bem\u00fcht, alle scheinbar verlorenen F\u00e4den wieder aufzugreifen und irgendetwas Sinnvolles oder Unsinniges daraus zu basteln. Bald, liebe Frau Eder-Elberfeld, bald!<\/p>\n<p>Herzlich gr\u00fc\u00dft Sie Ihr noch nicht ganz hoffnungsloser<br \/>\nAF<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betreff\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Re: kleine Nachfrage<\/p>\n<p>Liebe Franziska Eder,<\/p>\n<p>ich habe mich krankschreiben lassen. Wir Freiberufler haben zwar, anders als die Festangestellten, von einer Krankschreibung keine Vorteile; keine Lohnfortzahlung, kein Krankengeld. Nur Honorarausfall oder, wenn Nachholstunden noch ins Schuljahr passen, demn\u00e4chst noch mehr Stress. Aber die nette \u00c4rztin konnte sich wohl nicht vorstellen, dass ich als Lehrer kein Angestellter oder Beamter bin. Jedenfalls muss ich die Schule jetzt eine ganze Woche lang nicht sehen. F43.2 schrieb die \u00c4rztin auf die Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung. Ich habe nachgelesen, was das bedeutet: Anpassungsst\u00f6rungen. Ich wusste bisher nicht, dass Anpassungsst\u00f6rungen eine Krankheit ist. Und wenn, dann leider ich bereits seit f\u00fcnfundvierzig Jahren daran, ohne jemals auf die Idee gekommen zu sein, mich deswegen krankschreiben zu lassen.<\/p>\n<p>Die International Classification of Diseases, in der ich die Aufl\u00f6sung des Codes fand, ist ohnehin ein n\u00fctzliches Verzeichnis. Schade, dass ich nicht fest angestellt bin; die Liste bringt mich auf Ideen. Die allermeisten der 12.000 Krankheiten m\u00f6chte niemand haben, aber es sind genug dabei, mit denen ich mich anfreunden k\u00f6nnte. Wussten Sie, dass auch eingebildete Krankheiten Krankheiten sind? Die Hypochondrie steht gleichberechtigt neben solchen Krankheiten, die der Hypochonder vielleicht zu haben glaubt. Und selbst, wenn jemand wei\u00df, dass er nicht krank ist, und nur krank zu sein vorgibt, ist das eine Krankheit, <em>Pseudologia phantastica<\/em>, krankhaftes L\u00fcgen. Das taucht an zwei verschiedenen Stellen im Verzeichnis auf. Entweder, dem L\u00fcgner ist sein L\u00fcgen bewusst, er kann es aber nicht lassen, obwohl er sich immer wieder vornimmt, nicht zu l\u00fcgen: Dann geh\u00f6rt das zu den Zwangshaltungen wie beim Kleptomanen, der nicht klauen will, aber irgendwie kommt die fremde Brieftasche dann doch in seine Jacke. Oder wie beim Waschzwang oder wie bei der Redesucht. Ist dem L\u00fcgner sein L\u00fcgen hingegen nicht bewusst, merkt er gar nicht, wie er l\u00fcgt, dann reiht sich sein L\u00fcgen in die Bewusstseinsaussetzer ein, wie Alzheimer oder Demenz. So ungef\u00e4hr. Einmal krank, habe ich mich gestern Abend in die Lekt\u00fcre \u00fcber all die vielen m\u00f6glichen Krankheiten verloren, die ich mir herausnehmen k\u00f6nnte, falls ich demn\u00e4chst einmal irgendwo eine Festanstellung bekommen sollte. Die halbe Nacht verwandte ich auf die Planung potentieller Krankheiten, aber ab heute habe ich sieben Tage uneingeschr\u00e4nkt Zeit, Franziska Eder-Elberfeld zu lesen. F\u00fcr die Rezension fertigte ich bereits einige Exzerpte an.<\/p>\n<p>Nebenher m\u00f6chte ich aber auch meine Wohnung sch\u00f6ner machen, damit ich endlich einmal G\u00e4ste einladen kann. Solche besonderen Menschen wie Sie.<\/p>\n<p>Herzlich: Alfons Firn<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betreff\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vergewisserung<\/p>\n<p>Liebe Franziska Eder,<\/p>\n<p>aber nicht doch. Exzerpte geh\u00f6rt zu den aussterbenden W\u00f6rtern. Heute macht man das mit copy and paste. Nur aussterbende Menschen nicht.<\/p>\n<p>In den <em>Limenfir<\/em> konnte ich mich erneut vertiefen, muss Ihnen jedoch gestehen: Ich bin nicht gut in Verwandtschaftsverh\u00e4ltnissen. Als Einzelkind ohne eigene Nachkommen ging \u201eFamilie\u201c bei mir nie \u00fcber drei Personen hinaus. Vater, Mutter, Sohn \u2013 weiter kann ich nicht denken. Familiensagas zu lesen ist mir ein Gr\u00e4uel. Ihr <em>Lord Limenfir<\/em> ist zwar keine Saga, sondern scheint sich mit der verwickelten Familienkonstellation eher \u00fcber die Gattung lustig zu machen. Aber damit ich in meiner Rezension keinen Unsinn schreibe, w\u00e4re ich Ihnen dank\u00adbar, ich d\u00fcrfte Ihnen einmal vorlegen, was ich beim Lesen bisher verstanden habe, und Sie korrigieren mich bitte.<\/p>\n<p>Lord Algernon Limenfir wurde im Alter von f\u00fcnfzehn Jahren von seiner Gro\u00dftante Liz, der sehr viel j\u00fcngeren Schwester seiner Gro\u00dfmutter v\u00e4terlicherseits \u2013 ein Nesth\u00e4kchen, doch immerhin etwa zwanzig Jahre \u00e4lter als der junge Lord \u2013 verf\u00fchrt, und dabei entstand Euphemia Charlotte, die demnach zugleich Limenfirs Tochter und \u2013 als Tochter seiner Gro\u00dftante \u2013 seine Tante 2. Grades ist. Ihm ist zwar seine Vaterschaft bewusst, aber Gro\u00dftante Liz hat beschlossen, das Kind allein zu erziehen, und nur wenige Menschen erfahren, wer der Vater ist.<\/p>\n<p>Das Wort \u201eVerm\u00e4chtnis\u201c im Romantitel l\u00e4sst hoffen, dass wir den Lebensweg des arroganten Lords nicht mehr allzu lange begleiten m\u00fcs\u00adsen. Zugegeben, mit zwanzig waren wir vielleicht alle ein bisschen \u00fcberheblich, aber ein Vater, der zu seiner vierj\u00e4hrigen Tochter sagt, er wolle sie erst dann wiedersehen, wenn er sich mit ihr \u00fcber Ludwig Wittgenstein unterhalten kann, d\u00fcrfte doch im Sinne der Evolution ausgedient haben. Die Welt ben\u00f6tigt ihn nicht mehr, und Ihr Roman auch nicht. Da mag seine im Klappentext erw\u00e4hnte Doktorarbeit \u00fcber Fritz Mauthner noch so klug sein.<\/p>\n<p>Apropos Mauthner, damit das nicht falsch r\u00fcberkommt: Ich habe in seine <em>Beitr\u00e4ge <\/em>\u00f6fter mal reingelesen, und durch den in Leipzig erw\u00e4hnten Jugendfreund habe ich glaube ich doch ein ziemlich klares Bild von seiner Sprachkritik. Ich wei\u00df, es geht nicht um Ihre eigenen Schwierigkeiten mit der Sprache \u2013 Sie schreiben wundervoll und absolut stilsicher \u2013, sondern um Fragen, die in der Materie selbst begr\u00fcndet sind. Aber ein Leser m\u00f6chte doch wissen, wie die Geschichte weitergeht, und nicht, was sich die Autorin Intelligentes beim Schreiben gedacht hat. Das sch\u00f6ne und stattliche Buch liegt vor uns; daher sind meine Bemerkungen m\u00fc\u00dfig, und ich werde sie in meiner Besprechung nur ganz versteckt anklingen lassen. Aber gar nicht darauf einzugehen, w\u00fcrde mir kein Kritikerkollege verzeihen. Ein Verriss wird es schon nicht werden. Wenn ich \u00fcberhaupt jemals weiterkomme.<\/p>\n<p>Gestern und vorgestern waren es die Elektriker. Zwei Tage ohne Strom. Beim feuchten Wischen auf den H\u00e4ngeschr\u00e4nken meiner Einbauk\u00fcche habe ich vor ein paar Jahren mal einen gewischt gekriegt. Der Kollege, der unseren Schwererziehbaren ein gewisses physikalisches Grundwissen beibringen soll (das sie sich meistens bereits au\u00dferhalb des Curriculums selbst angeeignet haben), wies mich auf die Notwendigkeit eines FI-Schutzschalters in meinem Sicherungskasten hin \u2013 eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Ma\u00dfnahme. Nach f\u00fcnfmonatiger Wartezeit bekam ich von den Handwerkern vorgestern \u00fcberraschend einen Termin. Da vierzig Jahre lang kein Elektriker meine Wohnung betreten hat, begab sich der Meister mit seinem Auszubildenden erst einmal auf die Suche nach Streustrom in allen Zimmern. Nicht nur die Dr\u00e4hte der Sicherungen hingen aus der Wand, als ich aus dem Caf\u00e9 nach Hause kam. Die beiden Elektriker haben s\u00e4mtliche Steckdosen und Lichtschalter aufgeschraubt, mussten dazu den Kleiderschrank und die schweren B\u00fccherregale ausr\u00e4umen und von der Wand abr\u00fccken; sie haben alle Lampen \u00fcberpr\u00fcft und mir f\u00fcr die Nacht nur eine Notbeleuchtung eingerichtet. Das Eis im K\u00fchlschrank taute; an die Benutzung des PCs war nicht zu denken. Aber zum Gl\u00fcck umfasst Ihr Roman 978 Seiten, und ich kam mir ziemlich verwegen vor, im Bett mit der Taschenlampe darin zu lesen. Leider sind mir wieder zu fr\u00fch die Augen zugefallen.<\/p>\n<p>Der alte Sicherungskasten hatte die Gr\u00f6\u00dfe eines Zigarrenk\u00e4stchens, der neue die eines Panzerschranks. Das w\u00e4re nicht weiter schlimm bei einer gen\u00fcgend tiefen und nicht allzu harten Wand. Doch leider ragt der neue Sicherungskasten zw\u00f6lf Zentimeter in die Diele. Die Wohnungst\u00fcr l\u00e4sst sich so gerade noch \u00f6ffnen. Da der Mann mit dem Presslufthammer einen unsch\u00f6n ausgefransten Rand um den neuen Kasten erzeugt hat, mit Spalten, durch die die K\u00e4lte des Treppenhauses einzieht, war das leider noch nicht der letzte Besuch der Handwerker. Ein Rahmen muss erst ma\u00dfgeschreinert werden. Den haben die Elektriker bei einer anderen Firma in Auftrag gegeben. Das k\u00f6nne dauern, sagte der Elektriker, ich wisse ja, wie lange man unter Umst\u00e4nden auf einen Termin bei einem Handwerker warten muss. Dabei legte er mir den Arbeitszettel mit zweimal achtzehn Stunden plus viermal Anfahrtkosten-Pauschale zum Unterschreiben vor und erz\u00e4hlte etwas von Schleifenimpedanz.<\/p>\n<p>Ich hoffe, Sie m\u00fcssen weniger lange auf meine Buchbesprechung warten, an die ich Tag und Nacht denke.<\/p>\n<p>Herzlich, aber auch etwas impediert,<\/p>\n<p>gr\u00fc\u00dft Sie Ihr<\/p>\n<p>Alfons Firn<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betreff \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Tuffi ist schuld<\/p>\n<p>Liebe FEE,<\/p>\n<p>sch\u00f6nes Wortspiel, das mit dem Expedieren. Am Samstag musste ich bei dem traumhaften Wetter unbedingt mal wieder ein bisschen spazierengehen, irgendwo zwischen D\u00fcssel und Wupper. Zur Abwechslung orientierte ich mich dieses Mal mehr Richtung Barmen. Auf Google Earth fand ich beim Alten Markt einen Wikipedia-Eintrag zu Tuffi. Das weckte uralte Erinnerungen an meine Kindheit. Im Sommer 1950 sprang die Elefantenkuh Tuffi von der Schwebebahn in die Wupper \u2013 eine Geschichte, die mich als Kind st\u00e4rker fesselte als alle M\u00e4rchen, die mir meine Mutter vorgelesen hat. Ich erinnerte mich nun auch an eine ganz fr\u00fche Fahrt mit der Schwebebahn, da d\u00fcrfte ich h\u00f6chstens vier gewesen sein, denn meine Oma lebte noch. Mit den Segnungen der digitalen Informationenverbreitung erfuhr ich jetzt noch so manches Detail. Franz Althoff, der Besitzer des Elefanten, hat f\u00fcnf Fahrkarten zweiter Klasse gekauft, vier f\u00fcr Tuffi und eine f\u00fcr sich selbst. Der Wagen war voller Journalisten, jedoch keiner hat den Sturz fotografiert; so sind alle Bilder des springenden Elefanten Fotomontagen. Das arme Tier landete im flachen Fluss unsanft auf seinem Hinterteil, nahe der Elefanten-Apotheke. Ein Gericht urteilte bald darauf, die Schwebebahn sei als Transportmittel f\u00fcr Elefanten ungeeignet.<\/p>\n<p>Ich erfuhr auch, dass Franz Althoff den \u201eRennbahn-Circus\u201c betrieb, der im Film \u201eCircus World\u201c mit John Wayne, Claudia Cardinale und Rita Hayworth vorkommt.<\/p>\n<p>Wer \u201eTuffi\u201c bei der Google-Bildersuche eingibt, findet neben st\u00fcrzenden Elefanten auch eine ganze Galerie von\u00a0 Turm- und Felsensprin\u00adgern und eine Flasche Kakao.<\/p>\n<p>Kurz gesagt: Der Samstag war verloren, und den Sonntag verwandte ich auf die Aufarbeitung meines Ausflugs. Ab morgen wieder Schule.<\/p>\n<p>Die Verz\u00f6gerung bedauernd und umso herzlicher gr\u00fc\u00dfend<\/p>\n<p>AF<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betreff\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Re: Tuffi ist nicht schuld<\/p>\n<p>Liebe FEE,<\/p>\n<p>Sie lieben es aber kompliziert. Die eine gute Idee \u2013 Junge zeugt mit der Schwester seiner Oma ein Kind \u2013 w\u00e4re schon tauglich, gen\u00fcgend Verwirrung zu stiften. Vor allem, wenn au\u00dfer den Eltern niemand etwas davon wei\u00df. Sie aber lassen durchschimmern, dass es im Verlauf der Familiengeschichte immer wieder solche \u201eGenerationenspr\u00fcnge\u201c gegeben hat. Dass durch eine ganze Kette von Nachz\u00fcglerkindern in jeder Generation immer wieder Personen \u00e4hnliche Lebensdaten aufweisen, die auf der Ebene des Stammbaums um eine ganze Generation verrutscht sind. \u00dcber die Jahrhunderte kann dadurch jemand zu einer Zeit leben, in der in einem Seitenzweig der Familie bereits die Generation der Urenkel verzeichnet ist.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Algernon noch immer lebt (warum sollte er auch sterben, au\u00dfer um meine Ungeduld zu stillen? Er ist ja erst f\u00fcnfunddrei\u00dfig), verliebt sich sein zehn Jahre j\u00fcngerer Bruder Bertram in Euphemia Charlotte, seine vermeintliche \u2013 und ja auch tats\u00e4chliche \u2013 Tante 2. Grades, nicht ahnend, dass sie zugleich seine Nichte ist. Ich musste mir den Stammbaum aufzeichnen, um die Verh\u00e4ltnisse zu verstehen; die Linien gehen diagonal \u00fcbers Blatt.<\/p>\n<p>Ich z\u00fcgele mich, um nicht der Versuchung zu erliegen, vorzubl\u00e4ttern und wom\u00f6glich festzustellen, auch aus dieser unseligen Liaison wurde ein kleines Wesen geboren, das f\u00fcr Algernon als das Kind seiner Tochter sein Enkelkind ist, zugleich als Kind seines Bruders sein Neffe oder seine Nichte und als Kind seiner mit der Tochter identischen Tante 2. Grades ebenso sein Cousin oder seine Cousine 2. Grades.<\/p>\n<p>Auf Bertram bezogen, w\u00e4re sein Sohn oder seine Tochter, da er<br \/>\noder sie mit der Tochter seines Bruders gezeugt wurde, gleichzeitig sein Gro\u00dfneffe oder seine Gro\u00dfnichte. Dann erst bek\u00e4me der Beamte, der Algernons Erbschaft zu regeln hat, richtig Spa\u00df. Oder Bertrams Erbschaft, je nachdem, beide hei\u00dfen ja Limenfir. Gibt es f\u00fcr den Titel Lord eigentlich ein Mindestalter? Oder darf nur einer der Br\u00fcder sich Lord nennen? Ach, was ich durch die Lekt\u00fcre Ihres Buches alles lernen k\u00f6nnte \u2013 Fragen, die ich mir nie gestellt habe.<\/p>\n<p>Aber vermutlich geht meine Phantasie mit mir durch, und Lord Limenfirs Verm\u00e4chtnis besteht aus nichts als einer weiteren Sprachtheorie. Pardon, wenn sie auf Ihre \u00dcberlegungen zur\u00fcckgeht, ist es zweifellos eine revolution\u00e4re.<\/p>\n<p>Als Gute-Nacht-Geschichte noch eine Anekdote aus dem heutigen Schulalltag. Es sind wieder alle verschwunden, bis auf drei, die wohl ausgelost worden waren, um das Alibi eines Deutschunterrichts aufrechtzuhalten. Und w\u00e4hrend sie davonst\u00fcrmten, streckte Wahib noch einmal seinen Kopf in den Klassenraum und meinte zu den drei Verbliebenen: \u2026 und lasst euch keinen erz\u00e4hlen!<\/p>\n<p>W\u00e4re das nicht auch ein sch\u00f6ner Titel f\u00fcr eine Sammlung lauter unglaubw\u00fcrdiger Geschichten?<\/p>\n<p>Schlafen Sie gut und ausreichend, und denken Sie nicht immerzu an die boshaften Kritiker!<\/p>\n<p>Freundschaftlich Ihr<\/p>\n<p>AF<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlafentzug im Schlafanzug<\/p>\n<p>Liebe FEE,<\/p>\n<p>wo fange ich an? Ich greife Ihr Stichwort auf: beim Schlafanzug. Im Schlafanzug bin ich von Sonntag bis Dienstag sogar tags\u00fcber herumgelaufen. Im Schlaflabor der Ruhrlandklinik. Die ist sch\u00f6n gelegen mit enormer Fernsicht \u00fcber die Felder und W\u00e4lder zwischen Heidhausen und Kettwig, und hoch oben zwischen den fernen B\u00e4umen sah ich trotz des grauen Wetters zum Wochenbeginn die Lastautos \u00fcber die Ruhrtalbr\u00fccke fahren. Man hat mir in der Klinik eine Darth-Vader-Maske verschrieben \u2013 was die Atemger\u00e4usche betrifft; optisch ist die Maske n\u00e4her am Scuba Diving; damit tauche ich nun tief in meine Tr\u00e4ume hinab.<\/p>\n<p>Das Schlaflabor hat sich gelohnt. Ich hatte etwas Zeit, im <em>Limenfir<\/em> weiterzukommen. Au\u00dferdem schuldete ich dem Finanzamt schon seit vier Wochen eine Stellungnahme zu meiner Totalgewinnerwartung. Mein Steuerberater schafft es irgendwie, dass ich bereits seit zehn Jahren f\u00fcr mein Schreiben regelm\u00e4\u00dfig Steuern zur\u00fcckerhalte, obwohl ich mit dem Schreiben fast nichts verdiene. Nun vermutete das Finanz\u00adamt in meinem Schreiben Liebhaberei. Das kommt der Wahrheit ziemlich nahe, darf aber nicht sein, wenn ich nicht die Erstattungen der letzten zehn Jahre zur\u00fcckzahlen will. Verst\u00e4ndlicherweise m\u00f6chte die Finanzbeh\u00f6rde, dass ich f\u00fcr die Eink\u00fcnfte aus literarischer T\u00e4tigkeit langfristig mehr Steuern zahle, als ich erstattet bekomme. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass es jemals so kommen wird. In der Klinik hatte ich ein bisschen Zeit, dar\u00fcber nachzudenken. Und statt an der Rezension \u00fcber Ihr Buch habe ich f\u00fcnfzehn Seiten f\u00fcrs Finanzamt geschrieben. Morgen fr\u00fch gebe ich meine gigantische Gewinnerzielungsabsicht f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahrzehnte bei der Beh\u00f6rde pers\u00f6nlich ab.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber m\u00f6chte ich aber nicht das Ernste und Traurige, das aus Ihrer Mail ebenfalls zu mir spricht, \u00fcbersehen. Das Infame und zutiefst Ungerechte, das Sie erleiden. Durch die Nicht-Beachtung Ihres gro\u00dfen Werks sind Sie schwer verletzt worden. Eine Woche im Schlafanzug und auch mehr halte ich f\u00fcr unbedingt berechtigt.<\/p>\n<p>Bei mir ist es weiterhin die Schule, die mich peinigt. Das Gr\u00fcbeln tags\u00fcber und nachts dauert an. Mit dem Schlaflabor verband ich die Hoffnung, dort mal wieder richtig schlafen zu k\u00f6nnen. Aber an 78 Kabeln angeschlossen und unter einer Infrarotkamera gelang das nicht. Die Arbeitsorganisation im Krankenhaus wollte es, dass die Nachtpflegerin, bevor sie um sechs Uhr morgens Feierabend machte, die Patienten wieder entkabelte, um der \u00c4rztin die Aufzeichnungen der Nacht vorlegen zu k\u00f6nnen. Um vier Uhr begann sie bereits, die Patienten zu wecken und ihre linken Ohren vor der Blutabnahme mit einer wie ein Wespenstich brennenden Salbe einzureiben. Da ich normalerweise selten vor halb zwei einschlafe, litt ich in den zwei Tagen vermehrt an Schlafentzug.<\/p>\n<p>Mit Schlafanzug begann ich diese Mail, mit Schlafentzug ende ich, dankbar, Ihnen schreiben zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Mit den allerbesten W\u00fcnschen, dass Sie noch richtig ber\u00fchmt werden, gr\u00fc\u00dft Sie herzlich<\/p>\n<p>Ihr AF<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betreff\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 zur\u00fcck und neu angesetzt<\/p>\n<p>Liebe, gesch\u00e4tzte FEE,<\/p>\n<p>\u201e(\u2026) eine seltene Biografie von Papst Johannes XX. im Regal\u201c \u2013 so leicht gehe ich Ihnen nicht auf den Leim. Die Unfehlbarkeit war f\u00fcr mich nie ein Dogma, und wer kann schon \u00fcber so viele Jahrhunderte hinweg bis zwanzig z\u00e4hlen. Aber ein netter Einfall. Lassen wir uns \u00fcberraschen, ob einer der anderen Rezensenten den Witz versteht.<\/p>\n<p>Gestern habe ich die Klassenarbeiten zu <em>Der Vorleser<\/em> korrigiert, soweit das m\u00f6glich war. Sch\u00fcler Khaled D. zog aus der Lekt\u00fcre lebenspraktischen Nutzen. Ich hoffe kein Dienstgeheimnis zu verraten, wenn ich ihn hier w\u00f6rtlich zitiere:<\/p>\n<p><em>Ich hatte auch Freunde, die auch was mit \u00e4lteren Frauen was hatten die sogar verheiratet waren. Diese Lekt\u00fcre w\u00fcrde denjenigen zeigen was alles passieren k\u00f6nnte wenn mann mit einer \u00e4lteren was hat. Es gab jede Menge \u00c4rger mit dem Ehemann und den Br\u00fcdern dieser Frau da sie \u201ezweigleisig\u201c fuhr.<\/em><\/p>\n<p>Schade, dass Ihr Limenfir nicht <em>Der Vorleser<\/em> gelesen hat, bevor er sich von der Gro\u00dftante Liz verf\u00fchren lie\u00df. Sie h\u00e4tten sich 978 Seiten und f\u00fcnf Jahre Arbeit ersparen k\u00f6nnen. Aber es macht ja auch Spa\u00df.<\/p>\n<p>Khaleds ehrlicher Aufsatz verdeutlicht, was mir am <em>Limenfir <\/em>fehlt. Der Zoff. Schl\u00e4gereien mit eifers\u00fcchtigem Ehemann oder Geliebten, Streit mit den Eltern, Verbannung durch die Gro\u00dfmutter (gibt es auch einen Gro\u00dfvater?) \u2026 Liz d\u00fcrfte, wenn ich richtig rechne, acht\u00adunddrei\u00dfig gewesen sein, als sie am jungen Limenfir Gefallen fand. Da muss man nicht unbedingt verheiratet sein, aber in der Generation der um 1935 Geborenen w\u00e4re vielleicht doch ein Hinweis angebracht, warum Liz keinen Mann hat (oder hat sie einen?). Hat sie mehrere Geliebte, hat sie reihenweise Pubertierende missbraucht? Wie denkt Limenfir im Nachhinein \u00fcber die Aff\u00e4re? Wenn er gerade mal nicht an Fritz Mauthner oder Wittgenstein denkt. Das Thema wird bei Ihnen als Gedankenspiel abgehandelt, was unbestritten jede Menge am\u00fcsante Aspekte mit sich bringt. Dennoch frage ich mich, wie w\u00fcrden Khaled, Wahid, Asra und die anderen Ihren Roman lesen?<\/p>\n<p>Aber es kommt ja alles beim Leser an, und sei es als Streustrom.<\/p>\n<p>Es ist sp\u00e4t geworden (ich war erst noch bei einer Veranstaltung). Daher, bevor mir die Augen zufallen, f\u00fcr heute nur schnell noch diesen<\/p>\n<p>herzlichen Gru\u00df<\/p>\n<p>Ihres AF<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betreff\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Re: Re: zur\u00fcck und neu angesetzt<\/p>\n<p>Liebe FEE,<\/p>\n<p>in meiner letzten Mail wollte ich schon fragen, was ist denn mit der Generation der Eltern? Algernons Vater und seine Mutter sind bisher kaum in Erscheinung getreten. Zumindest nicht ann\u00e4hernd spektakul\u00e4r wie der junge Lord und sein noch j\u00fcngerer Bruder, wie die launische, unberechenbare Euphemia Charlotte, deren K\u00fcnsten im Kopfrechnen ich nur folgen kann, indem ich schriftlich nachrechne, und die mich durch ihre Schach-Aufgaben sogar dazu gebracht hat, mein Schachbrett nach langer Zeit wieder hervorzuholen und ihre \u00dcberlegungen durchzuspielen. \u00dcberhaupt schien es mir in Ihrem Roman kaum andere Probleme zu geben als Schachaufgaben und Sprachspiele. Mit dem Alkoholiker-Vater und der Mutter, die man bis vor einiger Zeit noch guten Gewissens als Hysterikerin h\u00e4tte bezeichnen d\u00fcrfen, nun aber vorsichtshalber, wie Sie es auch tun, von ihren gelegentlichen histrionischen Auftritten sprechen sollte, kommt ein Ernst ins Spiel, der dem Roman guttut.<\/p>\n<p>Soweit \u2013 oder so wenig \u2013 nur f\u00fcr heute zu dieser sp\u00e4ten Stunde.<\/p>\n<p>Gute Nacht!<\/p>\n<p>Ihr AF<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betreff\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Re: Franziska Eder-Elberfeld<\/p>\n<p>Liebe Anna,<\/p>\n<p>danke, dass Du bei Frau Eders uns\u00e4glicher Saga zu fast zwei Dritteln durchgehalten hast. Ich bin schon nach weniger als 200 Seiten stecken geblieben. Deinem Urteil vertraue ich voll und ganz \u2013 zumal ich nach den ersten Seiten ebenfalls den Eindruck hatte, es ist ein Schmarrn, und die Autorin wird die Kurve zu einem runden Werk nicht hinbekommen.<\/p>\n<p>Ich werde mir etwas ausdenken, um Franziska E.-E. klarzumachen, es sei besser ist, wenn ich ihr Buch nicht bespreche. Schade, dass sie nicht schreiben kann, denn ich fand sie in Leipzig eigentlich ganz interessant.<\/p>\n<p>Dir bleibe ich aufrichtig verbunden,<\/p>\n<p>mit einem herzlichen Gru\u00df<\/p>\n<p>Alfons<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Betreff\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 unerfreuliche Mitteilung (bitte nicht schockiert sein!)<\/p>\n<p>Liebe, bewunderte Frau Eder-Elberfeld,<\/p>\n<p>ich habe Ihnen etwas zu beichten. Das wird Sie nicht erfreuen. Ich hatte Ihnen ja von der Erkl\u00e4rung meiner Gewinnerzielungsabsicht gegen\u00fcber der Finanzbeh\u00f6rde erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Ein Kollege meinte, das liest sowieso keiner. Je mehr man denen einreicht, desto gr\u00f6\u00dfer die Chance, dass alles ungelesen abgeheftet wird. Oder nur ein Vermerk in die Akte kommt, der Nachweis wurde erbracht, und dann werden vier Wochen deiner Arbeit geschreddert.<\/p>\n<p>Also habe ich munter drauflosphantasiert, hier ein bisschen kopiert, da kopiert \u2026<\/p>\n<p>Ich schrieb dem Finanzamt, ich arbeite an einem gro\u00dfen Werk, das werde sicher ein Verkaufsschlager werden. Ein junger Mann, der mit der Schwester seiner Gro\u00dfmutter ein Kind zeugt. Ich wei\u00df, das ist Ihr Roman, nicht meiner. Ein alter Fehler von mir. Die Ungeduld. Eine Geschichte kann ich schneller weiterdenken, als ich sie lesen kann. Als Leser ein verhinderter Autor, was sich manchmal Bahn bricht. Au\u00dferdem ging ich ja davon aus, das liest keiner. Ich habe den Protagonisten dann auch nicht Limenfir genannt, sondern die Geschichte nach Ostwestfalen verlegt. Und im Grunde habe ich mich bei Ihnen nur ein kleines bisschen bedient, nur was die Ausgangsidee betrifft, und dann hat sich alles weitere verselbst\u00e4ndigt. Ich habe die Schlafst\u00f6rungen eingebaut und die Anpassungsst\u00f6rungen und den Elektriker und eine Frau mit Spitzenunterr\u00f6cken.<\/p>\n<p>Mein Kollege lag leider falsch. Der Finanzbeamte hat sich den ganzen Mist, den ich ihm eingereicht habe, tats\u00e4chlich durchgelesen. Er rief mich an und meinte, das Thema lie\u00dfe sich am besten pers\u00f6nlich in seinem B\u00fcro besprechen.<\/p>\n<p>Dort war ich gestern. Er war nicht unfreundlich, gab mir aber zu verstehen, es liege weitgehend in seinem Ermessen (er war h\u00f6flich genug, nicht zu sagen: ausschlie\u00dflich in seinem Ermessen), ob er mir meine Einsch\u00e4tzung, ich k\u00f6nne demn\u00e4chst von meinem Schreiben leben, glauben wolle oder nicht. Teile er meine Ansicht nicht, h\u00e4tte ich dem Finanzamt die Einkommens- und Umsatzsteuer-R\u00fcckzah\u00adlungen f\u00fcr die letzten zehn Jahre zu erstatten. Er nannte einen Betrag; ich \u00fcberschlug, dass ich daf\u00fcr noch etliche weitere Jahre meine lernunwilligen Sch\u00fcler bespa\u00dfen m\u00fcsste. Mir war schon lieber, er glaubte mir meine Totalgewinnerzielungsabsicht.<\/p>\n<p>Er beugte sich vor und wurde noch ernster, als er ohnehin schon war. Er stamme auch aus Ostwestfalen, sagte er bedeutungsvoll. Pause. Und was ich da in meinem Roman schriebe, habe eine auff\u00e4llige \u00c4hnlichkeit mit dem, was in seiner Familie vorgekommen sei.<\/p>\n<p>Au weia, dass es so ein durchgeknalltes Zeug tats\u00e4chlich gegeben haben soll, in Ostwestfalen, damit war nicht zu rechnen. Jedenfalls erinnerte ihn etwas aus meinem (Ihrem) Roman an die Familie seiner Herkunft. Nat\u00fcrlich nicht in den Details. Aber jemand, dem die Geschichte bekannt war, k\u00f6nnte auf falsche Gedanken kommen. Das bat er mich zu verhindern.<\/p>\n<p>Er wolle mir einen Vorschlag machen. Er verzichte auf die Forderung des Finanzamts, wenn ich den Roman vernichte.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ein klarer Fall. Was das Finanzamt von mir zur\u00fcckforderte, war mehr, als ich jemals mit Literatur w\u00fcrde verdienen k\u00f6nnen. Au\u00dferdem war der Roman ja noch gar nicht geschrieben; ich ersparte mir viel Arbeit, und, wie ich mich kenne, f\u00e4nde ich niemals die Zeit, ihn zu schreiben. Es war ja nicht einmal meine Idee, auf die ich verzichtete, sondern im Grunde Ihre, mit h\u00f6chstens ein paar Variationen von meiner Seite.<\/p>\n<p>Vermutlich habe ich nicht lange genug gepokert, sondern viel zu schnell zugestimmt. Ich muss wohl geradezu heiter auf ihn gewirkt haben, froh \u00fcber die g\u00fctliche Einigung. Denn der Beamte wurde nun noch ernster, ich hielt es nicht f\u00fcr m\u00f6glich, aber es ging.<\/p>\n<p>Nur der Form halber als dringliche Bitte vorgetragen, in Wahrheit jedoch im Tonfall einer Drohung gesprochen, legte er mir nahe, die Idee zu meinem Roman auch nicht an Dritte zu verkaufen.<\/p>\n<p>Ha, was stellte er sich vor? Literarische Ideen verkaufen. Der Mann hat null Ahnung von unserem Metier. Eine Idee zu einem Roman weiterverkaufen! Entweder man macht es wie Shakespeare oder Brecht und klaut hemmungslos ganze Stoffe. Oder man greift postmodern das auf, was andere gemacht haben und nennt es Intertextualit\u00e4t. Aber eine Idee wie die Ihre w\u00e4re doch nicht verk\u00e4uflich. Lizenzen f\u00fcr Bestseller, ja die gibt es wohl, aber das ist weder Ihre noch meine Liga.<\/p>\n<p>Das konnte ich ihm aber nicht sagen, hatte ich gerade erst vier Wochen und 15 Seiten darauf verwandt, ihm zu verdeutlichen, dass ich mit meiner Literatur hohe Gewinne zu erzielen beabsichtigte.<\/p>\n<p>Was soll ich machen? Ich hoffe, dass er Ihren Roman niemals entdeckt. Am Ende k\u00e4me er noch auf die Idee, ich h\u00e4tte Ihnen das Konzept f\u00fcr viel Geld verkauft. Und wenn das Finanzamt einmal zu nachzuforschen beginnt, dann gute Nacht! Beziehungsweise: v\u00f6llige Schlaflosigkeit.<\/p>\n<p>Sie werden verstehen, dass ich alles tun muss, um jeden Gedanken an eine m\u00f6gliche Verbindung zwischen Ihrem Roman und meiner Steuererstattung schon im Keim abzut\u00f6ten. Ich kann die Buchbesprechung unm\u00f6glich ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>Das ist es, was ich Ihnen gestehen musste, und ich rechne kaum damit, dass Sie mir verzeihen werden. Doch glauben Sie mir bitte: Ich habe mir mit Ihrem Roman wirklich M\u00fche gegeben.<\/p>\n<p>Traurig und mit aufrichtigem Bedauern gr\u00fc\u00dft Sie<\/p>\n<p>Alfons Firn<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ, 175. Teilabriss [Unter diesem Sammeltitel habe ich mehrere unglaubw\u00fcrige Geschichten versammelt; eine davon, die folgende, versandte ich am 21. Dezember 2018 an 32 liebe Freundinnen und Freunde, gute Kolleginnen und Kollegen; W. Cz.] als PDF anzeigen \u2026 UND LASST EUCH KEINEN ERZ\u00c4HLEN! Ausreden, um etwas nicht zu schreiben &nbsp; Betreff \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/?p=240\" class=\"more-link\">Continue reading &lsquo;175 &#8211; \u201eUnd lasst euch keinen erz\u00e4hlen!\u201c \u2013 lauter unglaubw\u00fcrdige Geschichten&rsquo; &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240"}],"collection":[{"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=240"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1429,"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/240\/revisions\/1429"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=240"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}