{"id":198,"date":"2014-09-23T21:49:58","date_gmt":"2014-09-23T19:49:58","guid":{"rendered":"http:\/\/newsic.net\/firwitz\/?p=198"},"modified":"2014-09-23T21:49:58","modified_gmt":"2014-09-23T19:49:58","slug":"194-ataraxie-und-fuerwitz-i-ii","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/?p=198","title":{"rendered":"194 &#8211; Ataraxie und F\u00fcrwitz (I + II)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ &#8211; 194. Teilabriss<\/p>\n<h1><strong>Ataraxie und F\u00fcrwitz I<\/strong><\/h1>\n<p>Wie ist das stoische Lebensideal des Unbeteiligtseins mit dem F\u00fcrwitz zu vereinbaren, von dem doch eher Unruhe ausgeht? Ohne Antworten schreibe ich mich von Aporie zu Aporie, so wie der \u201eGrundriss der pyrrhonischen Skepsis\u201c des Sextus Empiricus eine Kette von Aporien beschreibt.<\/p>\n<p>Im jungen Samuel Beckett, der zum Beispiel im <em>Traum von mehr bis minder sch\u00f6nen Frauen<\/em> jede gemachte Aussage gleich wieder negiert, jeden Aufbau mit ein paar Kommentaren zunichtemacht, steckt mehr Sextus Empiricus, als er uns verraten hat. Un\u00fcbersehbar in <em>Murphy<\/em>.<\/p>\n<p>In die angestrebte Seelenruhe hinein sticht der Firwitz, wie um die gro\u00dfe Bef\u00fcrchtung eines Beckettschen Protagonisten zu best\u00e4tigen, es k\u00f6nne auch andere Bed\u00fcrfnisse geben als in Frieden zu verfaulen.<\/p>\n<p>Firwitz negiert die Ataraxie, und mit der Relativierung aller Werte soll ja gerade die Seelenruhe erreicht werden.<\/p>\n<p>Beckett selbst bringt das Dilemma im <em>Traum \u2026 <\/em>[Taschenbuch-Aus\u00adgabe, Seite 311] auf den Punkt:<\/p>\n<p>\u201e \u201a[\u2026] Der Geist nimmt an der Teilnahmslosigkeit, die er enth\u00e4lt, keinen Anteil, jedoch \u2026\u2018<\/p>\n<p>\u201aBasta\u2018, sagte die Alba.\u201c<\/p>\n<p>Die junge Frau erreicht mit einem f\u00fcnfbuchstabigen Wort, was Sextus Empiricus in drei B\u00fcchern mit insgesamt 87 Kapiteln nicht gelang.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">[Notizbuch vom 30.06.2013]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><strong>Ataraxie und F\u00fcrwitz II<\/strong><\/h1>\n<p>[Aufs Neue:] Wie ist F\u00fcrwitz mit Ataraxie zu vereinbaren? Mein Leben lang strebte ich nach Seelenruhe, der Unersch\u00fctterlichkeit des Gem\u00fcts, der Gl\u00fcckseligkeit der Stoiker, und mehr noch nach der Ataraxi der Epikureer und Pyrrhoneer. Dagegen war der F\u00fcrwitz, den ich etwa ab meinem zwanzigsten Lebensjahr leben zu m\u00fcssen meinte, etwas Unruhiges, Aufgeregtes, die Polypragmosyne des Voyeurs, die Entdeckungslust des Reisenden, das abenteuerliche Herz. \u201eBald sticht ihn der F\u00fcrwitz \u2026\u201c, wie es in der <em>Historia von D. Johann Fausten<\/em> treffend hei\u00dft. Das Gestochenwerden verletzt die Ruhe.<\/p>\n<p>Einen Hinweis zur Vereinbarkeit von Ataraxie und F\u00fcrwitz finde ich bei Sextus Empiricus. Das Argumentieren in zwei Richtungen, der versuchte Beweis der Relativit\u00e4t, die Antwort an die Dogmatiker, dass es nichts Gesichertes gibt, dass alles vermeintlich als richtig Erkannte angezweifelt werden kann, l\u00e4sst den pyrrhonischen Skeptiker nach Gr\u00fcnden suchen, mit denen noch das Unwahrscheinlichste dem allgemein f\u00fcr wahr Gehaltenen gleichberechtigt an die Seite gestellt werden kann. Der Pyrrhoneer zieht in seiner Beweisf\u00fchrung das Abgelegene heran.<\/p>\n<p>Sich aber gerade mit dem Randst\u00e4ndigen, dem Nicht-Notwendigen zu besch\u00e4ftigen ist das, was f\u00fcr Descartes den Curiosus ausmacht, den f\u00fcrwitzigen Menschen. Der Begriff \u201eKuriosit\u00e4t\u201c wurde seitdem f\u00fcr Gegenst\u00e4nde mit fragw\u00fcrdigem Nutzen verwandt. Kuriosit\u00e4ten geh\u00f6ren eher zum Sonderling als dass sie im allgemeinen Gebrauch w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Auch Sextus Empiricus polemisiert gegen seine Zeitgenossen und Vorg\u00e4nger, die in der Evidenz einen Beleg f\u00fcr das Wahrscheinliche und in der Wahrscheinlichkeit die engste herstellbare N\u00e4he zur grunds\u00e4tzlich nicht beweisbaren Wahrheit sahen.<\/p>\n<p>Warum aber wollten die pyrrhonischen Skeptiker das Unwahrscheinliche dem Evidenten gleichberechtigt entgegenstellen?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Weil sie sich von der Einsicht in die grunds\u00e4tzliche Unentscheidbarkeit ein Ende der rastlosen Suche und damit das Erreichen des Zustands der Ataraxie versprachen. So kann der F\u00fcrwitz zur Seelenruhe f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 [Notizbuch vom 09.07.2013]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ &#8211; 194. Teilabriss Ataraxie und F\u00fcrwitz I Wie ist das stoische Lebensideal des Unbeteiligtseins mit dem F\u00fcrwitz zu vereinbaren, von dem doch eher Unruhe ausgeht? Ohne Antworten schreibe ich mich von Aporie zu Aporie, so wie der \u201eGrundriss der pyrrhonischen Skepsis\u201c des Sextus Empiricus eine Kette von Aporien beschreibt. Im jungen &#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/?p=198\" class=\"more-link\">Continue reading &lsquo;194 &#8211; Ataraxie und F\u00fcrwitz (I + II)&rsquo; &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/198"}],"collection":[{"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=198"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/198\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=198"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=198"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=198"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}