{"id":135,"date":"2014-09-22T23:02:14","date_gmt":"2014-09-22T21:02:14","guid":{"rendered":"http:\/\/newsic.net\/firwitz\/?p=135"},"modified":"2014-09-22T23:02:14","modified_gmt":"2014-09-22T21:02:14","slug":"223-e-mail-an-david-freudenthal-vom-03-04-2013","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/?p=135","title":{"rendered":"223 &#8211; E-Mail an David Freudenthal vom 03.04.2013"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ &#8211; 223. Teilabriss<\/p>\n<h1>Antwort-Mail<sup>1<\/sup><\/h1>\n<p>Lieber Herr Freudenthal,<\/p>\n<p>vielen Dank f\u00fcr Ihre Mail und f\u00fcr den Zwischenstand zu Ihrem Schaffen. Auf den angek\u00fcndigten Roman bin ich schon sehr gespannt.<\/p>\n<p>Trotzdem ist mir ein bisschen unwohl dabei, wenn Sie den Leiter der CCA [Casa de Cultura Alem\u00e3] Detlef Firwitz nennen, auch wenn der Nachname vielleicht als erlebnisverwandter Hinweis, als versteckte Widmung gar, zu verstehen sein sollte.<\/p>\n<p>Es steht Ihnen selbstverst\u00e4ndlich frei, Ihre Romanfiguren nach eigenem Ermessen zu benennen. Aber nun muss ich Ihnen etwas anvertrauen, was Ihre Namensgebung vielleicht beeinflussen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Aus Vorsicht vor dem Spott der b\u00f6sen Welt bin ich mit meinen ernsteren Gedanken und Schreibpl\u00e4nen bisher kaum an die \u00d6ffentlichkeit getreten, denn die Phantasien \u00fcber meine Zukunft sind viel gr\u00f6\u00dfenwahnsinniger, als es mit den bisherigen ver\u00f6ffentlichten Prosaarbeiten zu rechtfertigen w\u00e4re.<\/p>\n<p>\u201eNachts den Firwitz konzipiert\u201c, lautet ein Tagebucheintrag vom 1.12.1977. \u201eEin Abriss in 256 Teilabrissen\u201c stand schon von Anfang an unver\u00e4ndert als Untertitel fest. Dem neun Jahre sp\u00e4ter im Steidl-Verlag ver\u00f6ffentlichten B\u00fcchlein \u201eVisitatio\u201c ist vor dem Textbeginn die Zeile vorangestellt: \u201e64. Teilabriss des Firwitz\u201c.<\/p>\n<p>Nicht alle Verleger und Redakteure waren bereit, vor meine Texte den Hinweis auf ihren Platz im Gesamtwerk abzudrucken, aber zum Beispiel in der Anthologie \u201eMein heimliches Auge\u201c im T\u00fcbinger konkursbuch-Verlag (Jahrbuch der Erotik XXVI) tauchen im Jahr 2011 der 248. und der 249. Teilabriss auf \u2013 ohne dass die Verlegerin wusste: Teilabriss wovon?<\/p>\n<p>Seit dem ersten Konzept von 1977 stellte es sich nach und nach heraus, dass es nicht nur Texte sein w\u00fcrden, die ich als Teilabrisse in das Lebenswerk, den \u201eFirwitz\u201c, einbeziehe. Auch Gegenst\u00e4nde sollen gemeinsam mit den k\u00fcrzeren und l\u00e4ngeren Texten eine Art Gesamtkunstwerk formen, das in ideeller N\u00e4he zur Konzeptkunst ins Leben, in die sogenannte Realit\u00e4t, hineinreicht.<\/p>\n<p>So verstehe ich unter anderem die Gr\u00fcndung des Firwitz Verlags als einen weiteren \u201eTeilabriss\u201c des Lebenswerks, dessen materielle Dokumentation m\u00f6glicherweise in Form des Handelsregistereintrags oder des ersten Verlagsprogramms in das \u201eWerk\u201c eingehen k\u00f6nnte. (Nebenher bin ich dabei, die \u2013 recht lustige \u2013 Geschichte der Verlagsgr\u00fcndung unter dem Arbeitstitel \u201eDer Verlag mit dem Makel\u201c zu Papier zu bringen.)<\/p>\n<p>F\u00fcr die Buchmesse 2016 in Frankfurt plane ich das gro\u00dfe Coming-out des \u201eFirwitz\u201c als Lebens- und Gesamtkunstwerk. Freilich kann es passieren, dass das von niemandem beachtet wird. Dann w\u00e4re es egal, wie der Leiter des Deutschen Kulturhauses in Ihrem Roman hei\u00dft. Sollte der \u201eFirwitz\u201c aber durch meine Aktion auch \u00f6ffentlich als das erkennbar werden, was er in meinem Leben darstellt, dann k\u00f6nnte der Name Ihrer Romanfigur zu Deutungen Anlass geben, die sich im Moment noch nicht absehen lassen. Daher w\u00e4re mein Wunsch: Geben Sie dem Leiter der CCA bitte einen anderen Familiennamen.<\/p>\n<p>Sie sehen: So viel Leichtigkeit ist da gar nicht in meinem Schreiben.<\/p>\n<p>Dagegen wirken meine phonetischen Bedenken fast schon nebens\u00e4chlich: Das auslautende \u201ef\u201c in Detlef und das anlautende \u201eF\u201c in Firwitz k\u00f6nnten sich beim lauten Vorlesen vor Publikum phonetisch nicht deutlich gen\u00fcgend trennen lassen, sodass bei jemandem, der den Namen nicht optisch vor sich hat, der Eindruck entstehen k\u00f6nnte, der Mann hie\u00dfe Detlef Irrwitz.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen, dass der Roman gut gelingt. Ja, das Material zu organisieren ist im Unterschied zum freien Flie\u00dfenlassen der Gedanken das Qu\u00e4lende am Roman- und wissenschaftlichen Schreiben.<\/p>\n<p>Das Restaurant (und auch Hotel), in dem ich oft gut gegessen und manchmal \u00fcbernachtet habe, war das \u201eLa France\u201c an der Praia de Caponga.<\/p>\n<p>Ich freue mich bereits auf eine weitere, hoffentlich gute, Nachricht von Ihnen und w\u00fcnsche Ihnen f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung viel Erfolg.<\/p>\n<p>Mit den besten Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Wolfgang Cziesla<\/p>\n<p>[<sup>1<\/sup> Diese E-Mail, abgesandt am 03.04.2013 um 12:07 Uhr \u2013 ein erster Entwurf befindet sich in meinem Notizbuch mit Eintrag vom 19.03.2013 \u2013, antwortet auf eine E-Mail von David Freudenthal vom 18.03.2013, 14:49 Uhr. David Freudenthal war als DAAD-Lektor der Nachfolger meiner Nachfolgerin an der Casa de Cultura Alem\u00e3 (CCA) in Fortaleza, Cear\u00e1, Brasilien. Er hat meinen Brasilienroman \u201eDie Austauschstudentin\u201c (2004) gelesen und den Kontakt zu mir aufgenommen, da er ebenfalls an einem Roman arbeitete, der die CCA als Handlungsschauplatz einbezieht. Die Mail von David Freudenthal, deren Inhalt sich aus meinen Antworten erschlie\u00dft, muss hier nicht im Wortlaut wiedergegeben werden.]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ &#8211; 223. Teilabriss Antwort-Mail1 Lieber Herr Freudenthal, vielen Dank f\u00fcr Ihre Mail und f\u00fcr den Zwischenstand zu Ihrem Schaffen. Auf den angek\u00fcndigten Roman bin ich schon sehr gespannt. 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