{"id":117,"date":"2014-09-22T14:29:44","date_gmt":"2014-09-22T12:29:44","guid":{"rendered":"http:\/\/newsic.net\/firwitz\/?p=117"},"modified":"2014-09-22T14:29:44","modified_gmt":"2014-09-22T12:29:44","slug":"230-einleitung-oder-schlussbemerkung-zu-einer-oeffentlichen-lesung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/firwitz-verlag.de\/werk\/?p=117","title":{"rendered":"230 &#8211; Einleitung oder Schlussbemerkung zu einer \u00f6ffentlichen Lesung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\">Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ &#8211; 230. Teilabriss<\/p>\n<h1>Einleitung oder Schlussbemerkung zu einer<\/h1>\n<h1>\u00f6ffentlichen Lesung<\/h1>\n<p style=\"text-align: right;\">\n<p>Ein Vorleseabend kommt mir immer ein bisschen so vor, als wolle man zum Beispiel ein Kapitel aus der Bibel herausgreifen, etwa die Heilung des Auss\u00e4tzigen oder \u2013 Altes Testament \u2013 Lot und seine T\u00f6chter oder eine andere Stelle, die sicherlich einen gewissen Unterhaltungswert f\u00fcr einen gelungenen Abend h\u00e4tte, besonders, wenn sich daran ein kontrovers interpretierendes Gespr\u00e4ch anschlie\u00dft, ohne aber dabei zu ber\u00fccksichtigen, dass die auch f\u00fcr sich wirkenden Geschichten in einem gr\u00f6\u00dferen Kontext eingebettet sind, der Bibel, die, wenn auch in einigen Varianten, zur Basis einer der gro\u00dfen Weltreligionen erhoben wurde.<\/p>\n<p>Nun, der \u201eFirwitz\u201c eignet sich ganz sicher nicht zur Begr\u00fcndung einer von vielen Menschen mitgetragenen Religion, und der Charakter seines Autors bildet eine \u00e4u\u00dferst geringe Schnittmenge mit dem, was einen Missionar oder gar einen Propheten bewegen mag. Dennoch bedeutet der \u201eFirwitz\u201c f\u00fcr seinen Autor ein ziemlich umfassendes System, und das Vorlesen eines einzelnen Teilabrisses oder vielleicht nur eines Teils eines l\u00e4ngeren Teilabrisses oder meinetwegen auch die Summe mehrerer sehr kurzer Teilabrisse muss so unbefriedigend bleiben, als w\u00fcrde man lediglich die Episode von Jesus und der Ehebrecherin lesen, ohne sich die Bedeutung im Kontext des Christentums klarzumachen.<\/p>\n<p>Auf mich selbst bezogen \u2013 aber wirklich nur auf mich selbst \u2013 ist mein Denken totalit\u00e4r. Die bisherigen achtundf\u00fcnfzig Jahre liegen ausgebreitet vor mir und weitere sind vorstellbar. Fiele mir Vergessenes nachtr\u00e4glich ein oder Vernachl\u00e4ssigtes nachtr\u00e4glich auf, lie\u00dfe es sich h\u00f6chstwahrscheinlich nachtr\u00e4glich einbauen.<\/p>\n<p>Alles zusammen w\u00e4re jedoch in einer einzelnen Leseveranstaltung, nicht einmal in einer langen Wolfgang-Cziesla-Nacht, zu vermitteln. F\u00fcr mehrere Veranstaltungen aber w\u00e4re nicht das immergleiche Publikum zu gewinnen, denn wen interessiert schon, was ich mache und fr\u00fcher gemacht habe und noch plane? Und eine kontinuierliche Weitergabe w\u00e4re auch nicht in meinem Sinne, denn wenn ich lese, kann ich nicht gleichzeitig schreiben. Also muss das Vorstellen meines Werks durch eine Lesung scheitern, m\u00fcsste Fragment bleiben, und zwar ein sehr kleines Fragment aus einem gro\u00dfen, in seinem Anspruch anfangs- und endlosen Werk. Das Vorlesen ist nur zu retten durch meine affirmative Identifikation als ein Scheiternder. Ich w\u00fcrde mich schlecht f\u00fchlen, verliefe ein solcher Abend nicht unbefriedigend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">[28.07.2013]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Montag, 29. Juli 2012<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Auf dem Weg zur Arbeit<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn ich zufrieden bin, werde ich misstrauisch und frage mich, habe ich meine Anspr\u00fcche zu niedrig gesetzt, war die Aufgabe zu leicht, das Ergebnis zu einfach zu erlangen? Dann bin ich unzufrieden mit mir, glaube aber wieder auf dem richtigen Weg zu sein, indem ich mehr, vielleicht sogar das Unm\u00f6gliche will. Ich bin erst zufrieden, wenn ich unzufrieden bin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Cziesla: DER FIRWITZ &#8211; 230. 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